Montag, 7. September 2009

Jose und Frank

Einen Foen zu haben aber ihn wegen der Temperaturen auch benutzen muessen
Nachtbusse und ade guenstiges Taxifahren
Ein Handy und lauter quasselnde Menschen im Zug
Eine Strassenbahn aber strenge Haltestellen
Puenktlichkeit aber keine Flexibilitaet
Vollkornbroetchen mit franzoesischem Weichkaese und hoffen auf gute Avocados
Auf nimmer Wiedersehen Moskitoschwaerme und auf wiedersehen weisser Sandstrand
Alles verstehen (muessen)
Lange Sommertage auf kosten kurzer Wintertage
Immer Jeans-und-T-Shirt-Wetter gegen kuschelige Rollkragenpullover
trotzdem kein Schluesselbund.
Aber trotzdem nach Hause.

Ich komme!

Dienstag, 4. August 2009

Ich bin umgezogen!

Die Reise durch Mittelamerika mit meinen koblenzer Freundinnen Lydia und Nina koennt ihr auf http://ninalydsally.blogspot.com/ verfolgen!

Auf Bald!

Donnerstag, 25. Juni 2009

Tesafilm...

Ich sitze an meinem Schreibtisch, auf seinem virtuellen Gegenstück türmen sich die Berichte, Hausarbeiten und Protokolle, die ich bis Ende nächster Woche abgeben muss. Ich habe Stifte, Papier, meinen Laptop, einen schönen Ausblick aus meinem Fenster, meine Mitbewohner machen keinen Lärm aber etwas fehlt. Die Motivation. Sie weigert sich. Schweift ab. Tagträume. Die Straßenlaterne vor meinem Fenster scheint hell in der schwarzen Nacht und obwohl es so dunkel ist, sehe ich viel. Die Straßen und Häuser, Bäume und Haltestellen, die Hunde auf der Straße, die tiefen Rinnsteine, der Supermarkt mit der tollen Obstabteilung an der Ecke. Mein Blick schweift zur Seite und ich bemerke, dass sich der Tesafilm, mit dem ich kurz nach meiner Ankunft einige Abschiedskarten aufgehängt habe, löst. Ich Strecke meinem Arm aus um die schöne Karte wieder fest an die Wand zu drücken aber ich halte inne, betrachte die Karte, wie sie so halb an der Wand hängt aber scheinbar schon herunterfallen möchte und ich entscheide mich, sie so zu lassen wie sie ist. Das kleine durchsichtige Band, dass sie an ihrem Platz hält, hat sein Kraft verbraucht und und wenn ich es mit aller Gewalt wieder an die Wand presse wird es sich doch morgen wieder gelöst haben, bereit aufzubrechen .
Auf Zu Neuen Ufern!

Sonntag, 7. Juni 2009

¡Adelanteeeee!

Ich weiss es wird langsam öde aber ich muss meinen Eintrag erneut mit Verwunderung über die verstrichene Zeit beginnen - wieder zwei Wochen rum! Wenn ich zuvor erwähnt habe, die Zeit ginge schnell vorbei, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir mittlerweile die Schallmauer weit hinter uns gelassen haben und uns der Lichtgeschwindigkeit annähern. Plötzlich überlegt sich ein Professor, dass er jetzt noch ein zusätzliches Referat von jedem sehen möchte, unsere Gruppenintervention beginnt und für's Praktikum muss ich in der kommenden Woche 3 Interviews durchführen. Da ich mir aber die Grundeinstellung der Ticos "tranquilo" schon etwas zu eigen gemacht habe, hat mich das nicht daran gehindert am Samstag eine Party zu schmeissen und am Sonntag mit meinen Freunden raften zu gehen. (Definition Raften: auf einem absolut unsicheren Gummiboot einen wilden Fluss runterheizen und hoffen, dass man nicht ins Wasser fällt.) Obwohl die Party meines Erachtens gut gelaufen ist und ich auch 2 Uhr für ein frühes Ende hielt, musste ich heute feststellen, dass "tranquilo" nicht immer gilt; so hatte ich doch postwendend eine Beschwerde der Vermieterin auf meinem virtuellen Schreibtisch. Aber gut. So einfach lasse ich mir den Spass nicht verderben und folglich ging es nach Party, aufräumen und 2 Stunden Schlaf in einem so genannten Microbus (wer möchte kann auch Minivan sagen) Richtung Turrialba. Ein Gummiboot wurde auf dem Dach verschnürt und eine Stunde später saßen wir in diesem mit Schwimmwesten, Helmen und Rudern - bereit uns - wortwörtlich - ins Abendheuer zu stürzen. Auch wenn der Fluss nicht besonders imposant aussah mit seinem lehmtrüben Wasser, kann dieses Grundelement einem Menschen doch starke Hiebe versetzen. Die auf uns einstützenden Fluten fühlten sich mitunter an wie feste Schläge und auch der Verlust der halben Crew nach dem Zusammenprall mit einem großen Felsen brachte uns an unsere Grenzen. Zu acht ruderten wir vorwärts, rückwärts, mit und gegen die Strömung immer unter dem Kommando unseres Indio-Guides. Auf unsrem blauen Boot schipperten wir 26km durch dem Urwald - drei Amerikaner, zwei Französinnen und zwei Deutsche - alle in einem Boot, bereit die Ruder zu schwingen um dem gemeinsamen Hindernis auszuweichen, um die Kurve zu biegen, in eine neue kleine Zukunft - Adelante!

Sonntag, 24. Mai 2009

Puerto Viejo

Erneut komme ich aus dem Wochenende wieder und es gibt etwas zu erzählen! Meine Freundin Ana hatte mich eingeladen, mit ihren Freunden nach Puerto Viejo zu fahren, in das Haus des Onkels eines Freundes. Hört sich trivial an aber zunächst musste man diese Brücke überqueren, siehe rechst. Ich bin fast gestorben vor Angst und habe mich geweigert, im Auto sitzen zu bleiben aber letztendlich haben wir es jedes Mal heil geschafft und die Anstrengungen wurden belohnt - das Haus ist ein Traum! Mitten im Wald, umgeben von eigenartigen Pflanzen, Fledermäusen und Glühwürmchen in der Farbe grüner LED's haben wir dann eine Nacht ohne Strom, mit Kerzen und einer Runde Poker mit Bohnen als Chips verbracht! Der nette Hausmeister bot außerdem an uns eine typische karibische Fischsuppe zu kochen, die auch lecker war aber aber hätte ich gewusst, dass das, was ich für Tomaten hielt unglaublich scharfe Chilis waren, hätte ich mir den Teller vielleicht nicht so voll gemacht - es war SOO scharf! Natürlich gibt es auch einen Strand ganz in der Nähe des Hauses - aber nein, um das Überqueren der Brücke kommt man nicht herum - und da meine Freunde mit Taucherbrillen gerüstet waren, konnte auch ich die bunten Fische im strandnahen Riff beobachten.

So, das war mein Wochenende! Was habt ihr schönes gemacht?

Besitos

Sally

Donnerstag, 14. Mai 2009

El invierno

Schon wieder sind 2 Wochen verstrichen und ich kann gar nicht glauben wie schnell die Zeit vergeht. Mittlerweile ist der invierno, der so genannte Winter angebrochen, was zum Glück nicht bedeutet frieren zu müssen, aber dafür tägliche Regengüsse und Gewitter. Damit es soviel regnen kann, muss es natürlich bewölkt sein aber das ist bei Temperaturen von 20° ganz erträglich und nicht annähernd so trist wie ein verregneter Novembertag in Deutschland. Von der Schweinegrippe bekommen wir glücklicherweise wenig mit, es gibt zwar Fälle aber die eingerichteten Schnelltestzentren funktionieren gut und haben auch ausreichende Kapazitäten - ich durfte es am eigenen Leib erfahren. Leider habe ich mir einen bakteriellen Infekt eingefangen und dachte zunächst aufgrund änlicher Symptomlage, ich hätte mir die "Influenza porcina" gefangen, bin dann aber davongekommen. Die Krankenhäuser sind hier so ausgestattet wie bei uns und ich würde Costa Rica definitiv Brief und Siegel als sehr gut entwickeltes Land geben.
Jetzt zu erfreulicherem. Meine Projekte in der Uni laufen gut und selbst die Noten können sich sehen lassen, was ich bei meinen Spanischkenntnissen wirklich nicht zu hoffen vermocht hätte. Außerdem wurde in der letzten Woche das Tor unserer kleinen Privatstrasse neu angestrichen und ich kann jetzt sagen, dass es hier Dinge gibt, die erst kürzer Teil dieser Umwelt sind als ich: so das Grüne Tor. Da merkt man wieder einmal, dass man im Alltag angekommen ist und deswegen gibt es auch außer diesem kurzen "Hola" aus der Ferme nicht viel mehr zu erzählen!

¡Pura Vida!

Donnerstag, 30. April 2009

¡Chirripó!

Was man an einem Wochenende so alles erleben kann ist Wahnsinn. Wie weit man laufen kann auch. Für die Sportcracks unter euch wird es sicher kein Schocker aber ich hatte ganz ordentlichen Muskelkater nach der 40 km Wanderung. Meine beiden amerikanischen Austauschkollegen und ich waren auf dem Dach unserer Welt, dem höchsten Berg in Costa Rica: Chirripó. Dort hinzugelangen und um 5 Uhr morgens den Sonnenaufgang zu sehen ist nicht ohne. Der Wanderpfad beginnt in San Gerardo de Rivas auf 1350m über dem Meeresspiegel und klettert auf 20km bis auf 3820m. Ich persönlich konnte mir darunter vorher nichts vorstellen aber es bedeutete, dass wir die gesamten 7 Stunden, die wir bis zur Herberge an Kilometer 14, 5 gebraucht haben, steil bergauf gewandert sind. Im Gepäck natürlich Schlafsäcke, vorgekochte Nudeln, einen Minigaskocher und was man sonst noch so braucht. Wie ihr aber sehen könnt, hat es sich gelohnt. Auf Grund des steilen Anstiegs durchquert man auf seinem Weg verschiedene Vegetationszonen und da unser Vorhaben von strahlendem Sonnenschein begleitet wurde, konnten wir die Pflanzen und Tiere in voller Pracht bewundern. Mir haben die Vögel, die sich wie fein quietschende Scharniere anhören am besten gefallen, wobei die verschiedenfarbigen Eidechsen auch nicht schlecht waren. Nach der Übernachtung in der Herberge hiess es dann um 3 Uhr morgens aufstehen und bewaffnet mit Taschenlampe und einem Frühstück auf zum Gipfel - wenn man den Sonnenaufgang sehen will, muss man schließlich im Dunkeln losgehen.
Aber ich habe nicht nur Sinneseindrücke gesammelt sondern auch wieder etwas für's Leben gelernt; von einem Belgier, den wir in unserem Öko-hostel kennen gelernt hatten. Wie es so ist in Hostels, man kommt ins Gespräch über das Woher, das Wohin und manchmal auch das Wie. Bart (ja, mir erschien der Name auch etwas ungewöhnlich für einen Belgier) entgegnete auf die Frage nach seinem Beruf mit einem Lächeln auf dem Gesicht er sei Müllmann. Ja richtig - Müllmann. Mein erster Impuls war Mitleid. Aber weit gefehlt. Es stellt sich heraus dass Bart eine kaufmännische Ausbildung hat, mit der zu arbeiten ihn so was von zu Tode gelangweilt hat, dass er seit 5 Jahren 6 Monate pro Jahr als Müllmann arbeitet und dann 6 Monate in der Welt herumreist. Viele Menschen um ihn herum beneiden ihn für seine Freiheit und dafür, dass er die Welt sieht aber er versteht nicht, wieso sie ihn um etwas beneiden, was auch sie ganz leicht erreichen können. Sie müssen sich nur entscheiden.

¡Pura Vida!

Samstag, 18. April 2009

¡Contando atrás!

Die erste Uniwoche nach den Ferien im Paradies inklusive meiner ersten Präsentation auf Spanisch ist geschafft und ich ziehe Bilanz. Mein Sprachvermögen ist zwar immer noch weit entfernt von der immer angestrebten Perfektion aber als Meilenstein ist festzuhalten, dass alle Kommilitonen verstanden haben, worum es in der Präsentation zu Chakren und Kundalini ging und dass der Professor mich nur einmal kurz unterbrochen hat um zu vervollständigen. Wir wissen ja alle, dass ein Professor auch ganz schnell das Wort an sich reißen kann, wenn ihm nicht gefällt, was der Student erzählt. Mit siebenmeilen-Stieflen fliegen mir jetzt weitere Aufgaben entgegen und die zweite Präsentation ist schon in Produktion, leo.org immer an meiner Seite.
Mit leichtem Erschrecken und großem Erstaunen stellte ich inmitten dieses Dschungels aus - na ja, was ist dieses Konglomerat eigentlich - Leben! fest, dass ich bereits rückwärts zähle und das bedeutet im Falle des Menschen in einer neuen Umgebung, dass er sich eingelebt hat. Die Phase des Seins, des nicht vorwärts und nicht rückwärts Zählens fand dazwischen keinen Platz und ich glaube das liegt nicht an der Kürze meines Aufenthalts sondern daran, dass man eigentlich nie einfach nur Ist außer in den ganz kleinen Momenten, in denen man alles um sich herum aufsaugt und sich als Teil des ganzen fühlt: lebt! Immer ist man auf dem Weg zu etwas, von etwas, und vergisst manchmal, dass dies Alles ist woraus das Leben besteht.

Der Weg ist das Ziel.

Samstag, 11. April 2009

Mal País

In Scharen pilgern sie zum Wasser. Trotzen der weissen Gischt und den Wellen, die sie eigentlich gleich wieder an Land spülen wollen. Sie paddeln und tauchen, halten die Luft an und werden umspült von warmem Wasser. Und alle warten auf Sie - ihre Welle, die sie sich zu eigen machen, auf ihr reiten um nach einem kurzen Moment des Triumphs wieder in die Fluten zu stürzen und sich von neuem durch die Gischt und die gebrochenen Wellen nach draußen in den Ozean zu kämpfen. An der kleinen Kante des riesigen Ozeans und der dünnen Verbindung der amerikanischen Subkontinente lassen sich so viele kleine Momente des Glücks und Vergnügens finden und das Kräftemessen der kleinen Wesen mit den großen Brettern hört erst auf, wenn die Sonne leuchtend Rot zu ihnen ins Wasser eintaucht und der Tag langsam hinter dem Horizont verschwindet.

So habe ich meine Osterferien verbracht und ich hatte wirklich in so manchem Augenblick das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben und ich schwebe zwischen den Sekunden. Das Leben kommt einem so leicht vor bei dreißig Grad, einem weissen Sandstrand, vielem leckeren Eis und der Gesellschaft netter Menschen, mit denen man sich Unterhalten kann. Natürlich erscheinen im internationalen Diskurs oft pauschale Aussagen über die Zustände oder Gepflogenheiten in dem ein oder anderen Land und normalerweise ist dies sehr unterhaltsam. Schwierig wurde es jedoch als unsere Amerikanerin und unsere Französin mit Volldampf auf das Thema "Waffengebrauch zur Selbstverteidigung" zusteuerten während sie eigentlich die ganze Zeit aneinander vorbeiredeten, denn wie soll man auf einen Nenner kommen, wenn eine ein völliges Waffenverbot befürwortet und die Andere mit 14 von ihrem Vater gelernt hat, wie man mit einem Gewehr schießt? Es erschein mir unmöglich und ich habe mich aus dem Thema herausgehalten - zugehört. Ich hatte für die Dauer der Unterhaltung nicht das Gefühl, dass sich wie in einem Sprichwort nur die Menschen begegnen sondern ich glaubte das aufeinander Prallen zweier Kulturen zu erleben mit all ihren Werten, Normen, ihrem Wissen und Visionen. Dieses Mal war ich nur Zeuge aber ich bin sicher, dass ich mich in meiner Zeit hier, so wie jeder, der ins Ausland geht auch einmal in Mitten einer solchen Situation wieder finde. Ich bin gespannt!


Dienstag, 31. März 2009

El engaño

Hola meine lieben Freunde,

heute wurde ich auf's übelste getäuscht. Alles fing ganz normal an. Ich wachte auf zu strahlend blauem Himmel - wie immer - und wählte als Outfit ein schönes Sommer-T-shirt in himmelblau und meine türkischen Sandalen (@ Lyd und Nina: wisst ihr noch die Feilschaktion?). Nach einem Frühstück mit leckerem Avocado-Toast und Papaya machte ich mich auf zum Bus und trat die wie immer holprige Busfahrt an. Das bin ich ja mittlerweile gewöhnt: ab an den Straßenrand und Hand raushalten, einsteigen und schnell hinsetzen, im stehen fahren geht nicht, denn man wird wegen der ruckligen und etwas hektischen Fahrweise sonst durch den ganzen Bus geschleudert. Jedenfalls war es richtig warm, ich freute mich über so einen Tag und dachte an die Berichte der letzten Woche aus Deutschland von Eisregen und anderen ekligen Sachen, die vom Himmel fallen. Mittlerweile habe ich mich auch in eine Art Routine eingefunden, die etwas Sicherheit gibt und nicht jeder Tag ist ein Überraschungsei - dachte ich. Ich brachte also 4 Stunden Kriseninterventionsseminar und eine Observation eines Patientengesprächs mit der ganzen Palette von Scheidung bis zu Selbstmordgedanken hinter mich. (Nicht, dass es nicht interessant gewesen wäre oder mich nicht berühren würde aber dazu an anderer Stelle mehr, wenn ich meine eigenen Patienten betreue). Anschließend setzte ich den Fuß vor die Tür um mir in der Bibliothek einen Freud zu hohlen, den ich auch gleich noch lesen muss und war augenblicklich klatschnass. Es schüttete aus Eimern - ich konnte es gar nicht glauben. Mein Freund, der schöne Tag hatte sich verkrümelt und ich musste die restlichen Erledigungen in strömendem Regen machen. Es war wirklich extrem und ich habe verstanden, warum die Straßengräben hier mitunter einen halben Meter breit und dreißig bis vierzig Centimeter tief sind.

Also, denkt immer daran: erstens - es kommt anders, zweitens - als man denkt!

Samstag, 21. März 2009

Me da miedo!

Wie ihr ja sicher schon gemerkt habt, ist die Uni hier in Costa Rica sehr praktisch strukturiert. Zu den Kursen gehören viele Referate, Gruppenarbeiten, Besuche in der Psychiatrie und auch selbstständige Therapie mit Patienten. Heute (an einem Samstag) hatten wir 4 Stunden Zusatzseminar, in denen wir die Durchführung des klinischen Interviews behandelt haben, damit wir noch vor Ostern mit unseren Patienten beginnen können. Für mich wurde zum Glück eine Ausnahme gemacht, ich kann noch einen Monat warten und mich dann entscheiden ob ich mir es zutraue. Ich hoffe sehr, dass sich meine Sprachfähigkeit bis dahin soweit verbessert, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen muss, denn in Deutschland werde ich so schnell nicht an einen echten Patienten herankommen. Obwohl ich noch nicht anfangen muss, saß ich natürlich sehr angespannt im Seminar, dachte die ganze Zeit darüber nach, wie ich das alles schaffen soll und ich hatte Angst. Angst sagen zu müssen, ich sei noch nicht bereit und die Verantwortung sei mir zu groß. Angst vor einem Patienten zu sitzen und nicht zu verstehen, was er erzählt. Angst die Verantwortung nicht tragen zu können. Und viel schlimmer, ich fühlte mich allein mit meiner Angst. Alle anderen können ja, so banal sich das anhört, sprechen. Sie haben keine Probleme - dachte ich. Am Ende der 4 Stunden Seminar ohne Pause bot der Dozent jedoch die Gelegenheit seine Gefühle bezüglich der bevorstehenden Aufgabe zu äußern und ein Kommilitone, ein Tico, der meiner Meinung nach ja keine Probleme haben dürfte, äußerte genau die Bedenken, die ich zuvor geschildert habe. Ich konnte es kaum glauben, wie kann er das Recht haben, sich so belastet zu fühlen, obwohl ich es doch viel schwerer habe? Ein böser Gedanke und dazu nicht sehr hilfreich in meiner Situation. Ich fing an mir über die Qualität meiner Angst Gedanken zu machen und ich glaube meine Angst unterscheidet sich kaum von der meines Kommilitonen oder der, die mein mexikanischer Austauschkollege (auch in Mexiko ist die Landessprache Spanisch....) empfand, als er "ganz alleine" wie er sagte, hierher kam. Sie ist einfach da die kleine Angst, die an einem nagt, die sagt, du schaffst es nicht! Aber dies, und das ist der Punkt an dem man sie packen kann, sagt sie immer - immer das gleiche. Mehr hat sie nicht zu sagen, egal wie groß das reale Risiko oder die reale Herausforderung ist.
Ich werde also aufhören, oder es zumindest versuchen, mir so viele Gedanken zu machen. Frei nach dem Motto: there is no such thing as "try". There is just "do" and "don't".

Donnerstag, 19. März 2009

El Hospital Nacional Psiquiátrico

Die Frauen tragen rosane Anzüge und die Männer blaue. Die Bereiche sind durch einen Zaun getrennt und auch sonst ist die Einrichtung karg, was hauptsächlich daran liegt, dass keine Objekte zu finden sein dürfen, mit denen jemand sich selbst oder Andere gefährden könnte. Es gibt einen großen Park und bei dem schönen Wetter wirkt alles nicht ganz so trist obwohl wir uns in der geschlossenen Abteilung der costaricanischen Nationalpsychiatrie befinden. Dieses Krankenhaus mit der höchsten Spezialisierungsstufe, A, leistet die Versorgung psychisch Kranker aus ganz Costa Rica und beinhaltet neben einer gr0ßen geschlossenen Anstalt auch eine Tagesklinik beziehungsweise verschiedene Behindertenwerkstätten. (Für die nicht-Psychologen: eine Einrichtung, in der Behinderte Menschen, in diesen Fall psychisch Kranke lernen und arbeiten können, während auf ihre Einschränkungen Rücksicht genommen wird). So gibt es zum Bespiel eine Schneiderei, die ihre Produkte auch zum Verkauf anbietet wie auch eine Bastelgruppe. Bemerkenswert, und in Deutschland meines Wissens nicht vorhanden ist, dass auch Lehrer in die Psychiatrie kommen, sodass Patienten ihren Schulabschluss nachholen können um sich erfolgreicher in der Gesellschaft zurecht finden.
Die Psychologin, der meine Partnerin und ich zugeordnet sind, ist sehr nett, kooperativ und hat kein Problem mit meinen suboptimalen sprachlichen Fähigkeiten. Sie erklärte uns zunächst, wie die Psychiatrie strukturiert ist und dann wie im Normalfall, wenn man in der Psychiatrie von Normalfällen sprechen kann, eine Intervention oder Therapie abläuft. Im Großen und Ganzen erzählte sie nichts Anderes, als ich letztes Jahr bei meinem Praktikum in Frankfurt erfahren habe (was nicht heissen soll, dass ich schon Alles weiss oder es langweilig war!) und ich bin faszinieirt von der Tatsache, dass unser Geist und seine Schwächen scheinbar kulturübergreifend gleich funktionieren oder auch nicht-funktionieren. Ich bin sehr erfreut, eigentlich auch überrascht, dass mir so bereitwillig Einblick in einen Teil des Gesellschaftssystems gegeben wird und habe das Gefühl, hier wirklich die Möglichkeit zu bekommen die hiesige Psychologie und Anwendung kennen zu lernen!

Pura Vida!

Montag, 16. März 2009

El bus

Busfahren in Deutschland: zunächst besorge man sich beim Informationszentrum der Verkehrsgesellschaft oder im Internet einen Fahrplan. Man gehe zur ordentlich ausgezeichneten Haltestelle und bei fahrplanmäßigem Erscheinen des Busses steige man ein. An einer wiederum ordentlich gekennzeichneten Haltestelle steige man aus und das war's. Klingt eigentlich ganz normal oder? Das bemerkenswerte ist: keinerlei Zwischenmenschliche Kommunikation oder Interaktion ist für diese Handlung - oder soll ich besser sagen Inanspruchnahme der Dienstleistung nötig - man kann sogar die Fahrkarte am Automaten kaufen.
Busfahren in Costa Rica: ein Fahrplan existiert nicht. Wenn man Lust hat oder es regnet kann man an zusammengezimmerten, alles andere als offiziellen Unterständen auf den Bus warten oder man geht einfach an die Straße und wenn der Bus vorbei kommt hält man die Hand raus und man bekommt seine kleine Privathaltestelle. Die Fahrt bezahlt man bar beim Busfahrer und der ein oder andere murmelt auch ein "Buenas". Seinen Zeilort also durch abzählen der Haltestellen, geschweige denn Haltestellennamen zu finden ist unmöglich, daher fragt man einfach den Busfahrer, der einem gerne hilft. Wenn es sein muss hält er sogar eine Minute auf der Straße an - dabei entsteht ein Hupkonzert hinter dem Bus - und erklärt nochmal wo man genau langgehen muss, um sein Ziel zu finden. Die verlorene Zeit muss der Herr Busfahrer natürlich wieder aufholen und braust auch schonmal links - ja im Gegenverkehr! - an einer Baustelle vorbei. Das Ganze ist ein Abenteuer aber es ist spannander als bei uns. Die Fahrer scheinen nie im Stress zu sein und wenn man zur "Haltestelle" rennt würde sie einen Teufel tun und losfahren, nur weil sie sonst ihren Zeitplan nicht einhalten.

Dies ist wieder eines der kleinen Dinge, die eine Kultur ausmachen. Mir gefällt es und ich komme allmählich immer besser zurecht. In der heutigen Vorlesung habe ich fast alles verstanden und als ich dann im Supermarkt noch eine Kommilitonin traf und mich länger mit ihr unterhielt, hatte ich das Gefühl ein Bischen mehr angekommen zu sein.

Pura vida!

Donnerstag, 12. März 2009

El temblor

Hola,
Die Uni hat begonnen und die Zeit rast mit unglaublicher Geschwindigkeit an mir vorbei. Meine Kurse sind super interessant und die Dozenten und Kommilitonen sind nett aber das es so viel Arbeit und Verantwortung wird, hätte ich nicht gedacht. Für einen meiner vier Kurse, Krisenintervention, muss ich zusätzlich zu den 4 Stunden Seminar (Vorlesungen so wie wir das aus Frankfurt kennen mit 200 Studenten in einem Saal und einem erzählenden Prof gibt es hier nicht) einen Workshop ausarbeiten und ihn in einer uniexternen Organisation präsentieren, ein Praktikum in der Psychiatrie machen sowie im unieigenen psycho-sozialen Hilfezentrum echte Menschen therapieren. Zum Glück mit Supervision. Ach ja, natürlich muss über alles ein Bericht geschrieben werden. Von der Sorte ich habe noch 2 weitere Kurse und einen, der zum Glück nicht so viel verlangt, dafür aber 2 Klausuren schreibt. Ja. Im Moment, angesichts meiner eingeschränkten Sprachkompetenz, befinde ich das eigentlich für unschaffbar und halte mich selbst für einen Idioten es überhaupt zu versuchen aber jetzt bin ich hier und aufgeben ist keine Option. Ich hoffe mal, dass die Profs ein Auge zudrücken, wenn sie sehen, dass ich mein Bestes gebe.
Ein noch unerfreulicheres Ereignis sind allerdings die kleinen Erdbeben, die hier auch verniedlicht "temblor" genannt werden. Gestern hat die Erde sich zweimal bewegt und heute einmal. Zumindest habe ich diese Beben gespürt. Es fühlt sich sehr komisch an. Eigentlich ist es ein angenehmes Schaukeln und ich glaubte zuerst, es läge an meinem wackeligen Stuhl. Unheimlich wird es dann, wenn man realisiert, dass man sich im 5. Stock befindet. Zum Schutz der Studenten hat die Uni dann heute sofort eine Power Point Präsentation rumgeschickt, die anhand grausamer Bilder zeigt, dass man sich im "Dreieck des Lebens" aufhalten soll, falls ein schweres Erdbeben losbricht. Besagtes Dreieck befindet sich neben großen, stabilen Gegenständen, da diese meist (Danke für den Optimismus) einen Luftraum um sich bilden, auch wenn sie stark zerdrückt werden. Des Weiteren wird empfohlen, die Embryonalstellung einzunehmen und sich, entgegen früherer Annahmen, nicht unter Möbeln zu verstecken.
Ich freue mich, dass mein zu Hause nur einstöckig und mein Zimmer im ersten Stock ist und hoffe, dass sich die Erde bald wieder beruhigt.

Hasta luego

eure Sally

Sonntag, 8. März 2009

El Caribe

Da am Montag die Uni anfängt, musste das Wochenende noch Mal für einen Kurztrip herhalten und diesmal fiel die Entscheidung auf die Karibik. Wie es aber hier üblich ist, verlief nicht alles planmäßig und als unser Bus mit zwei Stunden Verspätung abfuhr entschieden wir uns, bereits an einem kleineren, näheren Ort auszusteigen als ursprünglich geplant. Empfangen wurden wir in Cahuita von völliger Dunkelheit und strömendem Regen, was vielleicht entgegen aller Wunschträume über die Karibik keine Seltenheit ist. Glücklicherweise konnten wir an der Busstation zwei Ticas (dies ist die korrekte Bezeichnung für Costaricaner) finden, die für uns die Anrufe bei den Hostels tätigten, denn telefonieren in einer anderen Sprache zählt mit zu den schwierigsten Dingen. Triefnass kamen wir im Hostel und fragten natürlich sofort den Besitzer ob er den Wetterbericht kenne und wann es zu regnen aufhören sollte. Die Antwort spiegelt eine Lebenseinstellung wieder, wie sie in Europa kaum zu finden ist. Er sagte es höre mit Sicherheit morgen auf zu regnen und wen nicht dann sicher nächste Woche oder nächsten Monat! In Ermangelung anderer Beschäftigungsmöglichkeiten machen wir uns dann auf zu Coco's Bar - der einzigen Bar im Ort. Hier fällt man natürlich sofort als Tourist oder zumindest nicht Einheimischer auf und wird auf die Tanzfläche gezerrt - die Ticos wollen ja zeigen was sie können und so drehten meine Freundin Lucie aus Frankreich und ich unsere ersten Runden Salsa und Merengue mit Tanzpartnern, die zwar einen Kopf kleiner waren als wir aber dafür umso besser tanzen konnten. Der nächste Morgen begann außer mit einem leichten Kater dann mit einer Trinkkokusnuss, die unser Französischer Zimmernachbar uns frisch vom Baum pflückte und so fühlte ich mich dann richtig in der Karibik angekommen. Als Tagesaktivität hatten wir uns eine Wanderung im Nationalpark von Cahuita vorgenommen und machten uns auf den Weg. Obwohl man ja weiss, dass Costa Rica eine diverse Flora und Fauna zu bieten hat, kommt man trotzdem aus dem Staunen nicht heraus, wenn plötzlich vom Baum ein Faultier hängt oder man einen großen Schritt über eine Straße von Blattschneiderameisen machen muss. Ich hatte das Gefühl ich bin im Zoo nur dass es hier überall so aussieht! Auf dem nebenstehenden Bild sieht man einen großen Einsiedlerkrebs. Diese Tiere bilden keine eigenen Schalen oder Panzer sondern kriechen in die verlassenen Häuser anderer Tiere. Mich hat dieser Krebs wirklich fasziniert - er hat sein Haus immer dabei aber muss auch immer Ausschau nach neuen Häusern halten, da er aus dem gegenwärtigen irgendwann rauswächst. Wie der Krebs bin auch ich auf der Suche. Zwar bin ich an meinem Zielort bereits angekommen jedoch mein zu Hause ist es noch nicht aber ich hoffe, dass ab morgen mit Beginn der Uni das Urlaubsgefühl weggeht und ich ein Paar Freunde finde.

Pura Vida!

Dienstag, 3. März 2009

La lavadora

Hola,
wieder zurück in San José habe ich heute meine Papiere zur Beantragung des Visums in die Uni gebracht. In Bürokratie stehen die Costaricaner uns in nichts nach und daher gibt es in der Uni einen Mitarbeiter, der sich einzig und allein mit der Beantragung von Studentenvisa beschäftigt und dieses Verfahren soll angeblich gegenüber dem normalen Visumsverfahren deutlich vereinfacht sein. Da mein Spanischkurs leider diese Woche doch noch nicht beginnt habe ich in euphorischer Eigeninitiative einen Harry Potter Band (gute Idee Anna!) natürlich auf Spanisch gekauft. Ansonsten kann ich nur von einigen alltäglichen Dingen berichten: langsam aber sicher bekomme ich ein besseres Gefühl für den Wechselkurs. Ein Euro sind circa 650 Colones und ich habe auch nicht mehr jedes Mal Angst im falschen Bus zu sitzen. Trotzdem ist jeder Tag noch geprägt von kleinen Überraschungen und Verwunderungen. So wollte ich doch gestern schnell meinen Wäsche in die Maschine schmeissen und musste leider erfahren, dass es hier hauptsächlich halb-automatische Waschmaschinen gibt. Was heisst das nun? Es heisst: Schlauch an den Wasserhahn klemmen und Waschmaschine mit kaltem Wasser volllaufen lassen. Warm waschen, geschweige denn Kochwäsche existiert nicht. Dann Waschpulver dazu geben und anschalten. Die Maschine dreht die Klamotten dann gute zwanzig Minuten im Kreis und das leider nur in eine Richtung, sodass nachher Alles schön in sich verdreht ist. Dann folgt der nicht automatische Teil. Alle Kleidungsstücke müssen von Hand ausgewaschen werden, was bei einen zwei Meter Bettlaken und einem nur mittelgroßen Waschbecken nicht einfach ist. Glücklicherweise besorgt die Maschine dann das Schleudern und die Sonne da trockenen. Mit Sicherheit werde ich mir in Zukunft besser überlegen, ob ich etwas waschen oder es nochmals tragen möchte.

Montag, 2. März 2009

Indescriptible!


Unbeschreiblich ist das erste, was mir einfällt, wen ich versuche von meinem Wochenendbesuch in Montezuma an der Pazifikküste Costa Ricas zu berichten. Einen kleinen Eindruck bekommt man auf dem nebenstehenden Bild aber leider zeigt das Bild nicht, dass das Wasser badewannenwarm ist! Einfach genial. Montezuma ist ein kleiner Strandort, den wir als unser Wochenendziel auserkoren hatten und die mehrstündige Anreise mit Fähre und Bus, teilweise über Schotterpisten bei Schritttempo und mit scheinbar unendlich vielen Schlaglöchern hat sich wirklich gelohnt. Abends, nach einem traumhaften Strandtag mit meinen Austauschkolleginnen ging es dann in die Strandbar die, für deutsche Breitengrade unvorstellbar, weder Türen noch Wände besitzt. Jeder, auch die Hunde des Ortes haben freien Zugang und in internationaler Gesellschaft anderer Reisender lassen sich so manche Cuba libre vernichten. Am folgenden Tag ging es dann nicht zum Strand, obwohl ich gerne wieder die Pelikane beobachtet hätte, die im Sturzflug auf die Wasseroberfläche zurasen und untertauchen um kleine Fische zu fangen. Stattdessen begaben wir uns auf eine kleine Wanderung, aufgrund mangelnder Vorkenntnis mit Flip-Flops, an deren Ende wir einen Wasserfall vorfanden, wie man sich ihn in einem Bilderbuch vorstellt. Senkrecht abfallende Steinklippen, rauschende Gischt und am unteren Ende natürlich ein Swimming-Pool-artiges Bassin zum schwimmen. Ich hätte nie gedacht, dass es so etwas wirklich gibt und um Alles noch zu perfektionieren war auch hier das Wasser angenehm kühlend. Kein Schritt auf diesem Spaziergang in einem Traum war langweilig, denn man weiss hier nie ob man hinter der nächsten Ecke einer riesigen Libelle, einem wilden Truthahn oder einem Leguan begegnet.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Señor Taxista

Die aufmerksamen Leser unter euch werden bereits festgestellt haben, dass es hier in Costa Rica mit den Adressen ein Bischen anders läuft. Normalerweise, wenn man in eine neue Stadt oder ein neues Land kommt, kauft man sich als erstes einen Stadtplan und fängt an sich eine kognitive Landkarte aufzubauen. Hier nicht. Hier lässt man sich einfach die Adresse auf ein Stück Papier kritzeln, dass man dann dem Taxifahrer gibt und der bugsiert einen dann (hoffentlich lebendig) ans Ziel. Gesagt - Getan! Ich sitze mit dem amerikanischen Austauschkollegen im Taxi auf dem Weg zur Party aber schade, die Adresse scheint es nicht zu geben und so heizen wir mit unserem Taxifahrer eine knappe Stunde durch San José und das hupend, überholend wo jeder deutsche Autobahnnutzer sagen würde es ist lebensmüde, telefonierend und nebenbei noch die Adresse ablesend. Irgendwann, nachdem der Taxifahrer dann die gesamte Zentrale mobilisiert hatte um unsere fehlerhafte Adresse zu identifizieren, haben wir es tatsächlich an den Zielort geschafft. Zwar kostete unsere Fahrt statt der geschätzten 2000 Colones etwa das 5-fache aber so konnte ich doch ein, zwei alkoholische Getränke im Beisein meiner internationalen Mitstreiter genießen um mich dann wieder mit weiteren Nicht-Ortskundigen auf den Weg nach Hause zu machen. 50 Meter bevor ich meinen Supermarkt erreiche bekommen wir dann endlich ein Taxi und es kann sich sicher jeder sowohl meine Enttäuschung als auch die des Taxifahrers vorstellen, nachdem ich ihm meine mühevoll eingeübte Adresse nenne, er 50 Meter fährt und mich dann anguckt als sei ich von einem anderen Stern; und wie man sieht bin ich dann scheinbar auch.

Also meine lieben, wenn ihr das nächste Mal flucht, weil ihr einen Ort auf dem Stadtplan nicht finden könnt, denkt an mich!

Sonntag, 22. Februar 2009

150 Metros al Norte del Supermercado Sindy

Hola,

Das Abenteuer hat begonnen und nach einem viel zu langen, anstrengenden Flug bin ich heil in der República de Costa Rica angekommen. Besonderes Kopfzerbrechen bereitete mir während des Fluges die Frage, wie wir wohl meinen Wohnort finden sollen, wenn die Adresse lediglich 150 Metros al Norte del Supermercado Sindy und einigen Zusätzen für Viertel und Stadt lautet?
Glücklicherweise wurde ich aber von meiner unheimlich netten Professorin Smith Castro abgeholt und sie sagte mir, die Adresse sei sehr! präzise, sie habe bereits am "alten Baum, der nicht mehr da ist rechts" gewohnt! Ich sage nur Adios german Gründlichkeit! Jedenfalls haben wir meine neue Heimat unglaublicherweise ohne Probleme gefunden und ich konnte nach einer kurzen Bekanntmachung mit meinem Vermieter und Mitbewohner endlich schlafen.
Heute morgen habe ich meine Sachen ausgepackt und mein Zimmer und mein eigenes! Bad bezogen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich hier wohl fühlen werde. Unsere kleine Strasse ist durch ein Tor abgeriegelt und 24/7 bewacht, was hier keine Seltenheit ist. Viele Häuser sehen regelrecht wie Gefängnisse aus obwohl die Kriminalität nicht so besonders hoch ist; Vielleicht ist das ganze nur eine Art "kalter Krieg Phänomen"? Ich werde es sicher noch herausfinden.
Meine nächste nennenswerte Erfahrung an diesem Tag war das costa ricanische Frühstück: Gallo Pinto. Das bedeutet etwas gelbes mit schwarz und weiss (nicht übersetzt sondern es sieht so aus) Ich habe dann einfach mal gesagt, ja ich mag alles und habe es probiert. Es stellte sich heraus, dass es sich um gebratene Bananen und Reis mit schwarzen Bohnen handelt. Jeder, der meine Essgewohnheiten ein bischen kennt, weiss, ich mag fast alles; Außer Bohnen. Aber was tun in dieser Situation? Ich bin also über meinen Nahrungsmittelschatten gesprungen und habe probiert und es war echt lecker. Es ist vielleicht nicht so offensichtlich, was das für mich bedeutet: in Deutschland hätte man mich in 1000 Jahren nicht dazu bewegen können ein Gericht zu probieren, dass auch auch nur annähernd Bohnen enthält und hier braucht es nur ein Angebot und ich schaffe es sogar meine negativen Vorurteile gegen Bohnen zu vergessen und ihnen eine richtige Chance zu geben. Ich bin begeistert.
Mittags haben Tobias und Marcia mich dann sogar noch zur Uni begleitet - man kann sogar zu Fuß dorthin gehen - und ich habe mich erkundigt, wo das Studentensekretariat ist, damit ich morgen voll durchstarten kann.
Als kleines i-Tüpfelchen meines Tages habe ich mir im Supermarkt eine Mango gekauft, welche obwohl es hier nicht Mangozeit ist viel besser schmeckt als in Deutschland. Die Mango wird fortan für mich eine der kleinen Dinge im Leben sein, über die ich mich jeden Tag freuen kann - lecker!

Hasta Pronto