Donnerstag, 30. April 2009

¡Chirripó!

Was man an einem Wochenende so alles erleben kann ist Wahnsinn. Wie weit man laufen kann auch. Für die Sportcracks unter euch wird es sicher kein Schocker aber ich hatte ganz ordentlichen Muskelkater nach der 40 km Wanderung. Meine beiden amerikanischen Austauschkollegen und ich waren auf dem Dach unserer Welt, dem höchsten Berg in Costa Rica: Chirripó. Dort hinzugelangen und um 5 Uhr morgens den Sonnenaufgang zu sehen ist nicht ohne. Der Wanderpfad beginnt in San Gerardo de Rivas auf 1350m über dem Meeresspiegel und klettert auf 20km bis auf 3820m. Ich persönlich konnte mir darunter vorher nichts vorstellen aber es bedeutete, dass wir die gesamten 7 Stunden, die wir bis zur Herberge an Kilometer 14, 5 gebraucht haben, steil bergauf gewandert sind. Im Gepäck natürlich Schlafsäcke, vorgekochte Nudeln, einen Minigaskocher und was man sonst noch so braucht. Wie ihr aber sehen könnt, hat es sich gelohnt. Auf Grund des steilen Anstiegs durchquert man auf seinem Weg verschiedene Vegetationszonen und da unser Vorhaben von strahlendem Sonnenschein begleitet wurde, konnten wir die Pflanzen und Tiere in voller Pracht bewundern. Mir haben die Vögel, die sich wie fein quietschende Scharniere anhören am besten gefallen, wobei die verschiedenfarbigen Eidechsen auch nicht schlecht waren. Nach der Übernachtung in der Herberge hiess es dann um 3 Uhr morgens aufstehen und bewaffnet mit Taschenlampe und einem Frühstück auf zum Gipfel - wenn man den Sonnenaufgang sehen will, muss man schließlich im Dunkeln losgehen.
Aber ich habe nicht nur Sinneseindrücke gesammelt sondern auch wieder etwas für's Leben gelernt; von einem Belgier, den wir in unserem Öko-hostel kennen gelernt hatten. Wie es so ist in Hostels, man kommt ins Gespräch über das Woher, das Wohin und manchmal auch das Wie. Bart (ja, mir erschien der Name auch etwas ungewöhnlich für einen Belgier) entgegnete auf die Frage nach seinem Beruf mit einem Lächeln auf dem Gesicht er sei Müllmann. Ja richtig - Müllmann. Mein erster Impuls war Mitleid. Aber weit gefehlt. Es stellt sich heraus dass Bart eine kaufmännische Ausbildung hat, mit der zu arbeiten ihn so was von zu Tode gelangweilt hat, dass er seit 5 Jahren 6 Monate pro Jahr als Müllmann arbeitet und dann 6 Monate in der Welt herumreist. Viele Menschen um ihn herum beneiden ihn für seine Freiheit und dafür, dass er die Welt sieht aber er versteht nicht, wieso sie ihn um etwas beneiden, was auch sie ganz leicht erreichen können. Sie müssen sich nur entscheiden.

¡Pura Vida!

Samstag, 18. April 2009

¡Contando atrás!

Die erste Uniwoche nach den Ferien im Paradies inklusive meiner ersten Präsentation auf Spanisch ist geschafft und ich ziehe Bilanz. Mein Sprachvermögen ist zwar immer noch weit entfernt von der immer angestrebten Perfektion aber als Meilenstein ist festzuhalten, dass alle Kommilitonen verstanden haben, worum es in der Präsentation zu Chakren und Kundalini ging und dass der Professor mich nur einmal kurz unterbrochen hat um zu vervollständigen. Wir wissen ja alle, dass ein Professor auch ganz schnell das Wort an sich reißen kann, wenn ihm nicht gefällt, was der Student erzählt. Mit siebenmeilen-Stieflen fliegen mir jetzt weitere Aufgaben entgegen und die zweite Präsentation ist schon in Produktion, leo.org immer an meiner Seite.
Mit leichtem Erschrecken und großem Erstaunen stellte ich inmitten dieses Dschungels aus - na ja, was ist dieses Konglomerat eigentlich - Leben! fest, dass ich bereits rückwärts zähle und das bedeutet im Falle des Menschen in einer neuen Umgebung, dass er sich eingelebt hat. Die Phase des Seins, des nicht vorwärts und nicht rückwärts Zählens fand dazwischen keinen Platz und ich glaube das liegt nicht an der Kürze meines Aufenthalts sondern daran, dass man eigentlich nie einfach nur Ist außer in den ganz kleinen Momenten, in denen man alles um sich herum aufsaugt und sich als Teil des ganzen fühlt: lebt! Immer ist man auf dem Weg zu etwas, von etwas, und vergisst manchmal, dass dies Alles ist woraus das Leben besteht.

Der Weg ist das Ziel.

Samstag, 11. April 2009

Mal País

In Scharen pilgern sie zum Wasser. Trotzen der weissen Gischt und den Wellen, die sie eigentlich gleich wieder an Land spülen wollen. Sie paddeln und tauchen, halten die Luft an und werden umspült von warmem Wasser. Und alle warten auf Sie - ihre Welle, die sie sich zu eigen machen, auf ihr reiten um nach einem kurzen Moment des Triumphs wieder in die Fluten zu stürzen und sich von neuem durch die Gischt und die gebrochenen Wellen nach draußen in den Ozean zu kämpfen. An der kleinen Kante des riesigen Ozeans und der dünnen Verbindung der amerikanischen Subkontinente lassen sich so viele kleine Momente des Glücks und Vergnügens finden und das Kräftemessen der kleinen Wesen mit den großen Brettern hört erst auf, wenn die Sonne leuchtend Rot zu ihnen ins Wasser eintaucht und der Tag langsam hinter dem Horizont verschwindet.

So habe ich meine Osterferien verbracht und ich hatte wirklich in so manchem Augenblick das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben und ich schwebe zwischen den Sekunden. Das Leben kommt einem so leicht vor bei dreißig Grad, einem weissen Sandstrand, vielem leckeren Eis und der Gesellschaft netter Menschen, mit denen man sich Unterhalten kann. Natürlich erscheinen im internationalen Diskurs oft pauschale Aussagen über die Zustände oder Gepflogenheiten in dem ein oder anderen Land und normalerweise ist dies sehr unterhaltsam. Schwierig wurde es jedoch als unsere Amerikanerin und unsere Französin mit Volldampf auf das Thema "Waffengebrauch zur Selbstverteidigung" zusteuerten während sie eigentlich die ganze Zeit aneinander vorbeiredeten, denn wie soll man auf einen Nenner kommen, wenn eine ein völliges Waffenverbot befürwortet und die Andere mit 14 von ihrem Vater gelernt hat, wie man mit einem Gewehr schießt? Es erschein mir unmöglich und ich habe mich aus dem Thema herausgehalten - zugehört. Ich hatte für die Dauer der Unterhaltung nicht das Gefühl, dass sich wie in einem Sprichwort nur die Menschen begegnen sondern ich glaubte das aufeinander Prallen zweier Kulturen zu erleben mit all ihren Werten, Normen, ihrem Wissen und Visionen. Dieses Mal war ich nur Zeuge aber ich bin sicher, dass ich mich in meiner Zeit hier, so wie jeder, der ins Ausland geht auch einmal in Mitten einer solchen Situation wieder finde. Ich bin gespannt!