Donnerstag, 25. Juni 2009

Tesafilm...

Ich sitze an meinem Schreibtisch, auf seinem virtuellen Gegenstück türmen sich die Berichte, Hausarbeiten und Protokolle, die ich bis Ende nächster Woche abgeben muss. Ich habe Stifte, Papier, meinen Laptop, einen schönen Ausblick aus meinem Fenster, meine Mitbewohner machen keinen Lärm aber etwas fehlt. Die Motivation. Sie weigert sich. Schweift ab. Tagträume. Die Straßenlaterne vor meinem Fenster scheint hell in der schwarzen Nacht und obwohl es so dunkel ist, sehe ich viel. Die Straßen und Häuser, Bäume und Haltestellen, die Hunde auf der Straße, die tiefen Rinnsteine, der Supermarkt mit der tollen Obstabteilung an der Ecke. Mein Blick schweift zur Seite und ich bemerke, dass sich der Tesafilm, mit dem ich kurz nach meiner Ankunft einige Abschiedskarten aufgehängt habe, löst. Ich Strecke meinem Arm aus um die schöne Karte wieder fest an die Wand zu drücken aber ich halte inne, betrachte die Karte, wie sie so halb an der Wand hängt aber scheinbar schon herunterfallen möchte und ich entscheide mich, sie so zu lassen wie sie ist. Das kleine durchsichtige Band, dass sie an ihrem Platz hält, hat sein Kraft verbraucht und und wenn ich es mit aller Gewalt wieder an die Wand presse wird es sich doch morgen wieder gelöst haben, bereit aufzubrechen .
Auf Zu Neuen Ufern!

Sonntag, 7. Juni 2009

¡Adelanteeeee!

Ich weiss es wird langsam öde aber ich muss meinen Eintrag erneut mit Verwunderung über die verstrichene Zeit beginnen - wieder zwei Wochen rum! Wenn ich zuvor erwähnt habe, die Zeit ginge schnell vorbei, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir mittlerweile die Schallmauer weit hinter uns gelassen haben und uns der Lichtgeschwindigkeit annähern. Plötzlich überlegt sich ein Professor, dass er jetzt noch ein zusätzliches Referat von jedem sehen möchte, unsere Gruppenintervention beginnt und für's Praktikum muss ich in der kommenden Woche 3 Interviews durchführen. Da ich mir aber die Grundeinstellung der Ticos "tranquilo" schon etwas zu eigen gemacht habe, hat mich das nicht daran gehindert am Samstag eine Party zu schmeissen und am Sonntag mit meinen Freunden raften zu gehen. (Definition Raften: auf einem absolut unsicheren Gummiboot einen wilden Fluss runterheizen und hoffen, dass man nicht ins Wasser fällt.) Obwohl die Party meines Erachtens gut gelaufen ist und ich auch 2 Uhr für ein frühes Ende hielt, musste ich heute feststellen, dass "tranquilo" nicht immer gilt; so hatte ich doch postwendend eine Beschwerde der Vermieterin auf meinem virtuellen Schreibtisch. Aber gut. So einfach lasse ich mir den Spass nicht verderben und folglich ging es nach Party, aufräumen und 2 Stunden Schlaf in einem so genannten Microbus (wer möchte kann auch Minivan sagen) Richtung Turrialba. Ein Gummiboot wurde auf dem Dach verschnürt und eine Stunde später saßen wir in diesem mit Schwimmwesten, Helmen und Rudern - bereit uns - wortwörtlich - ins Abendheuer zu stürzen. Auch wenn der Fluss nicht besonders imposant aussah mit seinem lehmtrüben Wasser, kann dieses Grundelement einem Menschen doch starke Hiebe versetzen. Die auf uns einstützenden Fluten fühlten sich mitunter an wie feste Schläge und auch der Verlust der halben Crew nach dem Zusammenprall mit einem großen Felsen brachte uns an unsere Grenzen. Zu acht ruderten wir vorwärts, rückwärts, mit und gegen die Strömung immer unter dem Kommando unseres Indio-Guides. Auf unsrem blauen Boot schipperten wir 26km durch dem Urwald - drei Amerikaner, zwei Französinnen und zwei Deutsche - alle in einem Boot, bereit die Ruder zu schwingen um dem gemeinsamen Hindernis auszuweichen, um die Kurve zu biegen, in eine neue kleine Zukunft - Adelante!