Wie ihr ja sicher schon gemerkt habt, ist die Uni hier in Costa Rica sehr praktisch strukturiert. Zu den Kursen gehören viele Referate, Gruppenarbeiten, Besuche in der Psychiatrie und auch selbstständige Therapie mit Patienten. Heute (an einem Samstag) hatten wir 4 Stunden Zusatzseminar, in denen wir die Durchführung des klinischen Interviews behandelt haben, damit wir noch vor Ostern mit unseren Patienten beginnen können. Für mich wurde zum Glück eine Ausnahme gemacht, ich kann noch einen Monat warten und mich dann entscheiden ob ich mir es zutraue. Ich hoffe sehr, dass sich meine Sprachfähigkeit bis dahin soweit verbessert, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen muss, denn in Deutschland werde ich so schnell nicht an einen echten Patienten herankommen. Obwohl ich noch nicht anfangen muss, saß ich natürlich sehr angespannt im Seminar, dachte die ganze Zeit darüber nach, wie ich das alles schaffen soll und ich hatte Angst. Angst sagen zu müssen, ich sei noch nicht bereit und die Verantwortung sei mir zu groß. Angst vor einem Patienten zu sitzen und nicht zu verstehen, was er erzählt. Angst die Verantwortung nicht tragen zu können. Und viel schlimmer, ich fühlte mich allein mit meiner Angst. Alle anderen können ja, so banal sich das anhört, sprechen. Sie haben keine Probleme - dachte ich. Am Ende der 4 Stunden Seminar ohne Pause bot der Dozent jedoch die Gelegenheit seine Gefühle bezüglich der bevorstehenden Aufgabe zu äußern und ein Kommilitone, ein Tico, der meiner Meinung nach ja keine Probleme haben dürfte, äußerte genau die Bedenken, die ich zuvor geschildert habe. Ich konnte es kaum glauben, wie kann er das Recht haben, sich so belastet zu fühlen, obwohl ich es doch viel schwerer habe? Ein böser Gedanke und dazu nicht sehr hilfreich in meiner Situation. Ich fing an mir über die Qualität meiner Angst Gedanken zu machen und ich glaube meine Angst unterscheidet sich kaum von der meines Kommilitonen oder der, die mein mexikanischer Austauschkollege (auch in Mexiko ist die Landessprache Spanisch....) empfand, als er "ganz alleine" wie er sagte, hierher kam. Sie ist einfach da die kleine Angst, die an einem nagt, die sagt, du schaffst es nicht! Aber dies, und das ist der Punkt an dem man sie packen kann, sagt sie immer - immer das gleiche. Mehr hat sie nicht zu sagen, egal wie groß das reale Risiko oder die reale Herausforderung ist.
Ich werde also aufhören, oder es zumindest versuchen, mir so viele Gedanken zu machen. Frei nach dem Motto: there is no such thing as "try". There is just "do" and "don't".
Ich werde also aufhören, oder es zumindest versuchen, mir so viele Gedanken zu machen. Frei nach dem Motto: there is no such thing as "try". There is just "do" and "don't".
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